Mehr als 100.000 Menschen in Deutschland sind auf ein Nierenersatzverfahren angewiesen.

Deshalb stehen die Nephrologen – Nierenärzte – mit ihrer Arbeit für umfassende medizinische Versorgung. Und ermöglichen so Patientinnen und Patienten ein hohes Maß an Lebensqualität.

Leben mit Nierenerkrankungen –
Maya Hügle

„Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass ich noch da bin“

Dass es sich gelohnt hat, zu kämpfen wird Maya Hügle, 58, bewusst, wenn sie die schönen Momente im Leben genießt. Zum Beispiel wenn ihr Neffe und ihre Nichte zu Besuch sind. Dann wird viel gelacht und das Beste ist, wenn „Tante Maya“ die beiden bekocht.

Nicht immer war ihr Leben so glücklich. Ein akutes Nierenversagen riss sie im Sommer 1975 aus ihrem gewohnten Leben. Auf einem Sommerfest kollabierte sie plötzlich. Die Sanitäter dachten zu erst, sie sei betrunken. Erst als ihre Mutter im Krankenhaus auf eine umfassenden Untersuchung bestand, stellten die Ärzte fest: Maya Hügle schwebt in Lebensgefahr. Damals war sie erst 19 Jahre alt. Und es war nur der Beginn einer langen Leidensgeschichte.

Elf Wochen verbrachte sie im Krankenhaus. Nach einer Reihe von Untersuchungen entschieden sich die Ärzte für eine Behandlung mit Cortison und die Dialyse. „Mit dem Cortison ging ich auf wie ein Luftballon und erkannte mich selbst im Spiegel nicht mehr“, erinnert sich Maya Hügle. Noch schlimmer war die Dialyse, elf Stunden zwei Mal die Woche. Das war mit großen Strapazen verbunden: Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe in den Beinen bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Sollte so nun ihr restliches Leben aussehen? Von einer Maschine abhängig? Mit all den Nebenwirkungen? „Nur langsam wurde ich mit meiner Situation fertig“, erzählt Hügle. „Durch die Hilfe meiner Eltern und ihre Liebe lernte ich mit meiner Erkrankung umzugehen, sie anzunehmen und die schönen Seiten des Lebens wahrzunehmen“.

Fünf Jahre stand Maya Hügle auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Wie hält man diese Zeit aus? „Abwarten und Nerven behalten.“ Im August 1980 kam der Anruf: Eine Spenderniere war gefunden. Ein Leben ohne Dialyse war zum Greifen nahe. Angst und Hoffnung lagen nah zusammen. Beten, dass alles klappt. Fünf Tage nach dem Eingriff nahm die neue Niere ihre Arbeit auf. Die Freude ist riesig. Doch vier Monate später war alles wieder vorbei. Ihr Körper stieß die neue Niere ab. Die Niere musste wieder entfernt werden. Doch Maya Hügle erholte sich von der schweren Operation nur langsam „Ich lag im Dämmerzustand, vollgepumpt mit Schmerzmitteln, bekam von meiner Umwelt nichts mehr mit“, erinnert sich Hügle. Weil ihr Bauch geschwollen war, musste die Bauchdecke geöffnet werden und ein halber Liter geronnenes Blut entfernt werden. Fast ein Jahr dauerte dieser Krankenhausaufenthalt. Danach war ihr Körper so geschwächt, dass sie erst wieder Laufen lernen musste. Und sie musste sich wieder an die Dialyse gewöhnen.

Doch in ihr wuchs die Hoffnung auf eine neue Spenderniere. Im Oktober 1983 fand die nächste Transplantation statt. Dieses Mal arbeitete die neue Niere zehn Monate. Dann: Blutvergiftung. Intensivstation. Die Ärzte unternahmen alles, um die Niere zu halten: Kobaltbestrahlung, wobei sie einen Eierstock verlor, Chemotherapie – Haarverlust und Lähmungserscheinungen vom Becken bis in die Füße, die mit Elektroschocks behandelt wurden. Die Niere wurde wieder entfernt.

Erst 1989 bekam Maya Hügle eine Niere, die länger in ihrem Körper funktionierte – 15 Jahre. In dieser Zeit arbeitete Maya Hügle als Sprechstundenhilfe und Laborantin. Nach einem schweren Infekt im Februar 2004, stellte die Niere ihre Funktion wieder ein. Seit dem ist Maya Hügle wieder dialysepflichtig. Und sie musste ihre Berufstätigkeit aufgeben. Aber: Seit ihrer ersten Dialyse 1975 hat sich die Medizin weiterentwickelt. Übelkeit und Krämpfe sind keine Begleiterscheinungen mehr, denn die Dialysemaschinen können individuell auf den Patienten eingestellt werden. Aber die lange Zeit der Krankheit hat an ihrem Körper gezehrt. Als Begleiterkrankung leidet sie an Osteoporose, die zu einem Oberschenkelhalsbruch, einer Wirbelträgerfraktur und einem Bruch des rechten Sprunggelenks geführt hat. In Folge von Gefäßverengungen erlitt sie zwei Herzinfarkte in den Jahren 2000 und 2002.

„Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass ich noch da bin“, sagt Hügle. „Vor 39 Jahren glaubte ich, sterben zu müssen. Das muss heute keiner mehr, wenn die Nieren ihre Funktion aufgeben.“ Ihre langjährigen Erfahrungen als Patientin teilt sie heute mit anderen Nierenkranken. Als ehrenamtliche Sektionsleiterin der IG-Niere NRW Neuss e. V. berät sie andere Patienten, hilft ihnen bei Behördengängen, spendet Trost und gibt Mut. „Ich hoffe und wünsche mir, auf diesem Weg meinen Mitpatienten mit meiner Krankengeschichte zu zeigen, dass man mit Kraft, Hoffnung, Humor und Disziplin überleben kann.“

Weitere Informationen