Mehr als 100.000 Menschen in Deutschland sind auf ein Nierenersatzverfahren angewiesen.

Deshalb stehen die Nephrologen – Nierenärzte – mit ihrer Arbeit für umfassende medizinische Versorgung. Und ermöglichen so Patientinnen und Patienten ein hohes Maß an Lebensqualität.

Leben mit Nierenerkrankungen – Wolfgang Krapp

„Ohne unsere Ersparnisse, hätten wir keine Chance gehabt, über die Runden zu kommen“

Eines Abends, als Wolfgang Krapp aus der Dusche kam, stellte er fest, dass seine Fußgelenke geschwollen waren, rechts und links. Das war im Mai 2005. Wolfgang Krapp, damals 31 Jahre alt, wohnhaft in Bamberg, drei kleine Kinder und von Beruf selbstständiger Fliesenleger, machte sich zunächst keine Sorgen. Er war ja kerngesund, sportlich aktiv und mit vollem Einsatz bei der Arbeit. Doch dann stiegen die Schwellungen die Beine hoch. Erste Untersuchungen beim Arzt, dann war klar: Wassereinlagerungen – Niereninsuffizienz.

Wie umgehen mit so einer Diagnose, wenn man eine fünfköpfige Familie zu versorgen hat und gerade in fünf Bauprojekten gleichzeitig steckt? Für Wolfgang Krapp begann ein Wettlauf gegen die Zeit: So lange es gesundheitlich einigermaßen ging, arbeitete er. Er hatte sich darauf spezialisiert, renovierungsbedürftige Häuser und Wohnungen zu kaufen, wiederherzurichten und weiter zu verkaufen oder zu vermieten. Dabei machte er alles selber, von den Wasserleitungen über die Stromversorgung bis zum Tapezieren. Bis Dezember brachte er alle Projekte zum Abschluss. Dann ging nichts mehr. Weitere Wassereinlagerungen hatten sich im Bauch und Gesicht gebildet, insgesamt 16 Kilogramm Wasser im Körper. Er kam an die Dialyse.

Die Stunden am Dialysegerät waren für Wolfgang Krapp zum ersten Mal seit Langem Ruhephasen. „Sonst habe ich immer ein Dutzend Dinge gleichzeitig gemacht, zehn Jahre hart gearbeitet, nur selten Urlaub gemacht. Aber wenn man da am Gerät liegt, kann man ja nichts machen“, erinnert sich Krapp. Zehn Jahre zuvor war er schon einmal wegen leichten Schwindelgefühlen im Krankenhaus gewesen. Die Ärzte hatten ihm zu einer Nierenpunktion geraten. Dabei wird dem Patienten unter örtlicher Betäubung eine feine Nadel unter Ultraschallsicht in die Niere gebohrt und Gewebe entnommen, das dann untersucht wird. Dieser Eingriff erschien Wolfgang Krapp damals unverhältnismäßig. Jetzt nahm seine Berufsunfähigkeitsversicherung das zum Anlass, ihm die Auszahlung zu verweigern. Wolfgang Krapp war jetzt Rentner auf Zeit mit einer monatlichen Rente von 800 Euro. „Ohne unsere Ersparnisse, hätten wir keine Chance gehabt, über die Runden zu kommen“, erinnert sich Krapp.

Die medizinischen Voraussetzungen stimmten, so dass Wolfgang Krapps Mutter als Spenderin in Frage kam. So wurde parallel die Transplantation vorbereitet. Dazu gehörten mehrere Gespräche mit der dafür zuständigen Ethikkommission bestehend aus zwei Ärzten, einem Psychologen und einem Rechtsanwalt. Wolfgang Krapp und seine Mutter mussten getrennt voneinander Fragebögen ausfüllen, wurden eingehend befragt und umfangreich beraten. Die Transplantation verlief erfolgreich. Noch in der Reha begann Wolfgang Krapp Zukunftspläne zu schmieden. Wie sollte es beruflich weitergehen, als Handwerker musste er ja körperlich einsatzfähig sein? Sollte er umschulen? Gab es sonstige Unterstützungsangebote?

Zum Glück erholte sich Wolfgang Krapp so schnell von der Transplantation, dass er in die Selbstständigkeit zurückkehren konnte. Seit 2007 baute er aus einem alten Reihenhaus ein kleines Studentenwohnheim, das er heute noch unterhält. Im Unterschied zu früher arbeitet er nicht mehr so hart. Aus dem Arbeitstier wurde ein Genießer: „Ich hab gelernt ‚nein’ zu sagen, erzählt Krapp, „Ich kann es mir leisten, nur Bauprojekte anzunehmen, die ich interessant finde. Und die mache ich dann mit null Stress.“ Ansonsten hält sich Wolfgang Krapp durch Sport fit, engagiert sich im Gemeinderat und verbringt viel Zeit mit seiner Familie. Der starke Rückhalt seiner Frau hatte ihm schließlich die Kraft gegeben, all die Strapazen zu überstehen.

Ach ja, und dann gibt es noch eine Sache, die Wolfgang Krapp ehrenamtlich macht: Im Frühjahr 2014 wurde er gefragt, ob er als Testimonial für eine Kampagne zum Thema Nephrologie zur Verfügung stünde. Jetzt ist sein Gesicht auf Plakaten und Anzeigen zu sehen. Das Bild zeigt: Dank bester medizinischer Versorgung steht er wieder mitten im Leben.

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